Abtauchen in das Reich der Farben und Pinselstriche

Roland Spiegel - 1936 in Colditz geboren

Roland Spiegel – 1936 in Colditz geboren

Am 4. März diesen Jahres gaben Familie und Freunde des in Colditz geborenem Künstler auf dem Wolgaster Tannenkampfriedhof das letzte Geleit.
Roland Spiegel (1936 - 2020)

Roland Spiegel (1936 – 2020)

Damit ging ein sehr schaffensreiches Leben zu Ende, das dennoch in Erinnerung bleiben wird. Albert Schweitzer sagte einmal: “Was ein Mensch an Gutem in die Welt herausgibt, geht nicht verloren.” Roland Spiegel hinterlässt der Nachwelt eine Fülle von Gemälden, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden sind und seinen hohen, sich selbst erarbeiteten künstlerischen Wert ausdrücken. Wie hoch diese Wertschätzung ist, drückt allein die Anzahl der Gäste in der Trauerhalle auf dem Tannenkampfriedhof aus; neben der Familie auch viele Freunde und ehemalige Weggefährten.
Verabschiedung auf dem Tannenkamp-Friedhof Wolgast

Verabschiedung auf dem Tannenkamp-Friedhof Wolgast

..als Student im Einsatz in der Magdeburger Börde (Foto: Dr. Bernhard Beiler)

..als Student im Einsatz in der Magdeburger Börde (Foto: Dr. Bernhard Beiler)

Blick zum Rathaus von der Schlossgasse (1957)

Blick zum Rathaus von der Schlossgasse (1957)

Strickende Oma (Tempera)

Strickende Oma (Tempera)

Roland Spiegel wurde am 4.12.1936 in Colditz geboren, verzog dann mit seinen Eltern nach Commichau auf das Grundstück seiner Großeltern. Dort besuchte er auch die Schule, begann nach deren Abschluss die Lehre als Maler in Grimma. Sein damaliger Meister Otto Kretzschmar, zu dem er bis zu dessen Tod enge Verbindung hielt, erkannte sein künstlerisches Talent frühzeitig und sorgte dafür, dass er 1956-59 an der Fachschule für Angewandte Kunst Magdeburg Malerei und Ästhetik der Fotografie studieren konnte. Sein Dozent für Fotografie, Dr. Bernhard Beiler, war zuvor als Richter im Amtsgericht Colditz tätig, das 1957 aufgelöst wurde; das Leben ist reich an Zufällen. Nach seinem Studienabschluss mit Meisterprüfung verschlug es ihn an die Ostsee. In Wolgast ging nicht nur sein berufliches Tun weiter, sondern es gründete sich auch seine Familie. Als Plakatmaler und in der Werbung der HO tätig, absolvierte er nochmals in Merseburg ein Studium im Binnenhandel. Danach war er als Technologe und Fachdirektor dort tätig, sein Ziel: etwas schaffen, was Bestand hat. Seine erste herbe Enttäuschung war 1992 – all das abwickeln und in Ruhestand gehen.
Winter an der  Peene (Aquarell)

Winter an der Peene
(Aquarell)

Für ihn begann aber ein neues Kapitel seines künstlerischen Schaffens. Er hatte sich in die Landschaftsmalerei verliebt, arbeitete weiter an der Verbesserung seines eigenen Stiles. Alles findet sich in seinen Werken wieder; seine Bilder wurden immer weicher. Die Aquarelltechnik ist ein schwieriges Kapitel der Malerei, denn Fehler können kaum nachträglich korrigiert werden. Seine persönliche Freundschaft des auf der Insel Usedom lebenden berühmten Maler Otto Niemeyer Holstein betrachtete er als sehr wertvoll. Er war über Jahre sein weiterer Lehrmeister. Doch auch umgekehrt schätzte dieser das Können von R. Spiegel hoch ein.
Hibiskusblüte auf Japanpapier

Hibiskusblüte auf Japanpapier

Abend an der Peene

Abend an der Peene

Wasserfall - Hohe Tatra

Wasserfall – Hohe Tatra

Brandung auf Lanzarote

Brandung auf Lanzarote

Seine Reisen führten ihn in viele Länder der Welt, von Europa über Tadschikistan, Usbekistan, die Mongolei, Nepal, Kanada, Schottland, Thailand… ; Pinsel und Farbe waren stets im Gepäck. So wuchs sein Bestand an Kunstwerken und durch viele Ausstellungen zogen sie Kunstliebhaber in ihren Bann. Bei der Vorbereitung dieser Ausstellungen stand ihm seine ehemalige Kollegin der Deko, Sabine Günther, immer hilfreich und beratend zur Seite. Zu Hause war er ganz aktiv in der Pflege der Kunst tätig. Dem in Wolgast geborenen Maler Philipp Otto Runge gegründeten Klub stand er jahrelang vor. Seine Tätigkeit wurde im Dezember 2011 anläßlich des 75. Geburtstages mit dem Kunstpreis der Stadt Wolgast gewürdigt. Selbst Runges Zitat muss ihm wohl immer im Gedächtnis geblieben sein: “Hätte ich es sagen wollen oder können, hätte ich nicht nötig, es zu malen.” Seine Urlaubsreisen fanden aber nicht ohne den Fotoapparat statt. Der Vergleich, zwischen dem gemachten Foto und dem vor Ort geschaffenen Aquarell verdeutlichen, dass es höchste Konzentration, sowie eine besondere Gabe erfordert, das Gesehene in wenigen Minuten zu einem Kunstwerk werden zu lassen. Diesen riesigen Bestand systematisch zu ordnen und sicher aufzubewahren, wird die Aufgabe der Familienangehörigen sein. Schon jetzt ist der Wunsch, weitere Ausstellungen seines Geschaffenem zu organisieren, nicht zu überhören. Für Roland Spiegel ist dies eine nachträgliche Wertschätzung und Würdigung seines Schaffens. Den größten Teil seines Lebens widmete er der Malerei, war nie endgültig mit sich zufrieden und dem bisher Erreichten. Aber seine amüsante Art, das im Kreise seiner Familie und Freunde herüber zu bringen, vergaß er nie.

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