Mach dich ran in Leisenau
Wenn man sich bisher vergebens bemüht hat, ein so gravierendes Problem abzustellen, greift man zu jedem Strohhalm. Der “Fußweg” aus dem Ort zu den am Rande gelegenen Bushaltestellen ist schon seit Jahrzehnten ein für Aufregung sorgendes Thema. Die Anrainer waren gerne bereit, ein Stück ihres Gartens abzugeben, damit dort ein ordnungsgemäßer Fußweg gebaut werden kann; bauen müsst ihr (die Gemeinde) ihn aber selber. Geworden ist daraus NIX. Auch in z.B. Wahlveranstaltungen wurde sogar unser MP Kretschmer mit dem Problem konfrontiert – ohne Ergebnis. Vorsprachen im LRA blieben ebenso ergebnislos, wie an anderen zuständigen Einrichtungen. Nun war man auf die Idee gekommen, es doch mal mit der bekannten MDR-Sendung “Mach dich ran” zu versuchen. Der Moderator Mario D. Richardt hat eine Zielrichtung – ein Problem an einem Tag lösen. Heute morgen stand er mit seinem Drehteam auf der Matte, um mit den Leisenauern sich deren Meinung anzuhören, sich die Örtlichkeiten selbst anzusehen und dann die Pole wie Rathaus Colditz (BM), LRA Borna und ÖPNV zu einem Interview aufzusuchen. Der Frust der Leute ist voll verständlich; wie kreuzgefährlich dieses Wegstück vom Platz an Bergers Imbiss bis hinauf zur Bushaltestelle ist, braucht niemand zu bagatellisieren. Bei unserem Spaziergang war allen klar, für Kinder, ältere Leute oder gar mit Rollstuhl eine absolute Katastrophe; unzumutbar. Noch arger, so wurde ich hingewiesen, ist die Situation an der B 107 im Dunkeln, oder gar bei Regen oder Schnee. Wer die vielbefahrene Bundesstraße gerade entlang geht; sich LKWs kreuzen, wird regelrecht in diesem “Schlupfloch” von deren Windböen auf die Straße geschleudert. Eltern kennen dieses krasse Problem und fahren ihre Kinder lieber mit dem Auto bis zur Bushaltestelle, um sie so vor einem sicher schwerwiegenden Unfall zu schützen. Ist das nicht abstellbar? Ja, es gäbe schon eine komplikationslose Lösung. Im Zuge der Dorfumgestaltung wurde am Rittergutsweg eine ordentliche Bushaltestelle gebaut. Es wäre kein Problem, jeden Bus in die Ortsmitte zu lenken, die Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen und schon könnte jeder Bus ohne komplizierte Umlenkerei weiterfahren in Richtung B 107. Im Ort wurde längst ein 30 kmh-Zone eingerichtet; dazu jüngst noch eine Stolperschwelle installiert. Vor wenigen Jahren wurde vom Dorfverein ein schöner Spielplatz errichtet, wo auch die ältere Generation sich mal zu einem kleinen Schwatz treffen kann. Das ist das Dorfleben, wonach wir uns sehnen. Das Endergebnis der heutigen Aktion “Mach dich ran” steht allerdings schon fest – die Bushaltestelle wird NICHT von der B 107 in die Ortsmitte verlegt. Man sehe dafür in der Fachabteilung des LRAes des LK Leipzig keine Notwendigkeit. Für die Leisenauer ist diese Blitzentscheidung schwer zu verstehen. Es hätte keinen finanziellen Aufwand erfordert, weder für die Kommune, noch für den Kreis; nur ein paar Minuten Fahrplanäderung der Busse. Alles wäre nur zugunsten eines sicheren, nicht lebensgefährlichen Weges zur Bushaltestelle gewesen. Für Mario Richardt wird dieser Kurzschluss unerwartet gekommen sein. Ob sein heute gedrehter Beitrag wie vorgesehen im September nach diesem Ausgang überhaupt gesendet wird, wage ich zu bezweifeln. Falls doch, könnte man damit belegen, dass nicht jede Entscheidung der Ämter bürgernah getroffen wird. Resümee – wie heißt es doch: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Ein klassisches Beispiel für fehlenden “Bürokratieabbau”. Auch solche lustigen Bemerkungen waren in Leisenau zu hören: wir sind das “gallische Dorf” oder “wär mer lieber zu Großbothen / Grimma gegangen; Berger hätte das so nicht geschluckt”. Doch es bleiben ernste Fragen: Wer würde zur Verantwortung gezogen, wenn es hinsichtlich dieses skandalösen “Fußweges” zu einem ernsten Unfall käme? Da ist sicher Niemand zuständig; das ist reines Selbstverschulden des Betroffenen!
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Als meine Generation in den 70er Jahren die Schule ging, sind wir auch mit dem Bus gefahren und der fuhr am Ortsausgang an der Haltestelle B 107 ab. Damals noch mit einem festen Wartehäuschen das vor Regen und Wind schütze. Der Weg war genauso gefährlich wie heute und mit dem Verkehr von heute nicht mal ansatzweise vergleichbar! Also haben sich unsere Eltern dafür stark gemacht das der Schulweg sicherer wird und in Eigenleistung das Bushäuschen im Zentrum des Ortes gebaut – heute ersetzt durch ein modernes Plexiglashaus. Der Weg zur Umsetzung des Planes schien damals ein ganz kleines Problem gewesen zu sein. Kinder waren es noch wert, geschützt zu werden! Da wurde einfach schnell und effektiv gehandelt.
Das dem heute nicht mehr so ist, spüren alle Leisenauer die auf den Bus angewiesen sind, täglich seit Jahren. Nach Aussagen Regionalbus Leipzig käme es beim ins Dorf rein- und wieder rausfahren zu Zeitverzögerungen, die mit den Fahrplänen der Bahn nicht kompartibel sind.
Wer jetzt kein leises Lächeln im Gesicht hat,kennt die Bahn und deren Pünktlichkeit.
Und: es sind zu wenig Menschen die mit dem Bus fahren wird auch behauptet.
Ein kleines Dorf mit ca. 170 Einwohnern – viele davon alt bis sehr alt und nicht mehr in der Lage mit dem PKW mobil zu sein – was erwartet das Busunternehmen?
Aber wir sind ein Zuzugsdorf! Es werden Kinder geboren, die schon geborenen gehen oder kommen bald in die Schule.Bedarf ist also da. Und Rentner würden sicher öfter selber mal in den Nachbarort zum einkaufen mit dem Bus fahren – wenn der Weg nicht so weit und nicht so lebensgefährlich wäre.
Ein Bürger stellte am Vor Ort Termin die kluge Frage: Sind die (das Busunternehmen) für uns da, oder wir für die?
Das Busunternehmen sollte für seine FahrGÄSTE da sein!
Regionalbus Leipzig wirbt auf seiner Internetseite mit folgenden Sätzen:
Als kommunales Verkehrsunternehmen haben wir den Anspruch, jeden Fahrgast sicher und pünktlich zu befördern
Selbstverständlich reicht unser Dienstleistungsdanke weit über eine Fahrt von A nach B hinaus.
Werbung ist das Eine – Tatsachen schaffen das Andere.
Andrea Mehmel